Beim Schreiben geht es um das Sehen

Robert M. Pirsigs Gleichnis vom Ziegelstein

Wie können wir Schreibblockaden überwinden und Gesehenes in eine interessante Geschichte verwandeln? Wie hilft es uns, wenn wir dabei den Blick immer weiter auf ein Detail verengen? Und warum gelingt es uns so, dann doch wieder das große Ganze zu zeigen?

Intellektueller Roadtrip der 70er

1987 bekam ich das Buch «Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten — Ein Versuch über Werte.« zu meinem 21. Geburtstag geschenkt. Die Überlegungen von Pirsig zu subjektiver und objektiver Qualität, zu romantischer und klassischer Qualität, gepaart mit einer schwierigen persönlichen Lebensgeschichte und einem komplexen Verhältnis zum eigenen Sohn und der eigenen Familie haben mich wie viele andere Menschen gepackt und ergriffen. 

Mathias Bröckers

Und ›Qualität‹ ist auch das Thema: ›Ganze Bibliotheken sind der Frage gewidmet, wie die Tauglichsten überleben, aber niemand hat je die Frage beantwortet, warum.‹ Das ist so das Kaliber der philosophischen Fragen, unter denen es ein Robert M. Pirsig einfach nicht macht.

Quelle : Bröckers, Mathias: Motorradwartung, Seelenfrieden und und und : taz. die tageszeitung vom 11.5.1993

Das Buch verleitete mich schon in jungen Jahren — mit 21 — über Qualität, Lebensqualität und befriedigendes Arbeiten nachzudenken. Außerdem ist das Buch als Trip, als geistige und physische Bewegung geschrieben, eine literarische Form die es mir persönlich besonders leicht macht, mit dem Autor mitzugehen.

Beim Schreiben geht es um das Sehen - This is a photograph of author and philosopher Robert M. Pirsig taken by Ian Glendinning at Chester, England on the eve of the Liverpool conference of 7th July 2005.  Photograph by Ian Glendinning. (c) 2005 Dr Anthony McWatt , Quelle: Wikipedia, s.u.
This is a photograph of author and philosopher Robert M. Pirsig taken by Ian Glendinning at Chester, England on the eve of the Liverpool conference of 7th July 2005. Photograph by Ian Glendinning. (c) 2005 Dr Anthony McWatt , Quelle: Wikipedia, s.u.
120 Ablehnungen

5 Millionen Exemplare verkauft

Robert M. Pirsig ( 6. September 1928 - 24. April 2017 ) war ein US-amerikanischer Autor, Dozent und Philosoph. Sein 1974 in insgesamt 4 Jahren geschriebenes Buch über einen Motorrad-Roadtrip von Minnesota nach Kalifornien und die den Trip begleitenden philosophischen Thesen und Betrachtungen machten ihn auf einen Schlag berühmt. Bis heute wurde das Buch in 27 Sprachen übersetzt und mehr als 5 Millionen mal verkauft.  Auch wenn 120 Verlage Bedenken hatten.  

Steve Chawkins

›The book is not, as I think you now realize from your correspondence with other publishers, a marketing man’s dream,‹ the editor at William Morrow wrote in a congratulatory note before its 1974 publication.

Quelle : Chawkins, Steve; Robert Pirsig dies at 88; wrote counterculture classic ‘Zen and the Art of Motorcycle Maintenance’. Los Angeles Times, 24. April 2017

Pirsig war als Kind hochbegabt, erwarb bereits mit 14 den Highschool-Abschluss, konnte sich aber weder als Student noch später als Dozent gut in den universitären beziehungsweise schulischen Betrieb integrieren. Seine Schwierigkeiten und andauernden Konflikte mit der Hochschule, massive Überarbeitung führten schließlich zu einer massiven psychischen Erkrankung, einer Einweisung in das Veterans Hospital in Minneapolis, wo Pirsig unter anderem 28 Elektroschock-Behandlungen erhielt, die nach seinen Aussagen zu einer Auslöschung seiner Persönlichkeit führten. Das oben genannte Buch entstand danach und erst durch das Buch konnte sich Pirsig einen Namen und wissenschaftlichen Status erarbeiten, auch wenn er sich immer wieder beklagte, dass er zu sehr als »New-Age-Autor« oder »Kultautor« und weniger als Philosoph gesehen würde. (Quelle: Wikipedia)

Dabei hat Pirsig als Philosoph sehr viel zu bieten, insbesondere in einer Vermählung von buddhistischem Denken und westlicher Philosophie und in seinen Überlegungen zum Qualitätsbegriff, die uns gerade heute neu helfen können, Ereignisse, Meinungen und Aussagen besser zu bewerten und zu gewichten. 

Christopher Lehmann-Haupt

Ich bedaure jetzt, dass mir die Sachkenntnis in der Philosophie fehlt, um die Ideen von Herrn Pirsig auf eine echte Probe zu stellen, denn dieses Buch kann sehr wohl ein zutiefst wichtiges sein – ja ein großartiges sogar – voller Einblicke in unsere verblüffendsten gegenwärtigen Dilemmata. Ich weiß es einfach nicht. Aber was auch immer sein wahrer philosophischer Wert ist, es ist intellektuelle Unterhaltung auf höchstem Niveau.“

Quelle : Christopher Lehmann-Haupt: Books of The Times. In: The New York Times. 16. April 1974

Trotz der hohen Auflagen traf das Buch nicht die Erwartungen aller Leser, dazu sind die individuellen Erwartungen zu verschieden. Die Einen erwarten einen motorradlastigen Roadtrip mit etwas Philosophie, die anderen ein vertiefendes philosophisches Buch mit etwas Roadtrip. Beide Erwartungen werden nicht erfüllt, denn Pirsig verbindet geschickt alltägliche Erfahrungen und Rückblicke auf sein Leben mit philosophischem Denken. Das führt mich jetzt auf angenehme Art und Weise zurück zum Thema dieses Beitrags, dem Schreiben.

Gesehenes zum Geschehen machen

Es geht um den Blick, nur darum

Pirsig sieht auf seine Zeit als Dozent für Rhetorik zurück und erzählt eine kleine Begebenheit aus seinem Leben als Lehrender. Im Grunde geht es darum, wie man anfängt zu schreiben, wenn man einfach überhaupt nicht weiß, wo man anfangen soll. 

Entweder ist das Thema zu groß, sind die Informationen die man hat zu unstrukturiert oder einfach ihrer zu viele. Jeder kennt es und jeder hat es schon einmal erlebt. Entweder hat sich im Kopf ein gigantisches Vakuum ausgebildet -  in dem jeder spontane gute Gedanke verpufft - und dass die Tendenz hat sich immer weiter im Kopf auszubreiten, bis man das Gefühl hat nichts zu wissen. Oder aber das Gegenteil ist der Fall, wir können überhaupt nicht anfangen, weil die Themen und Ideen in unserem Kopf so schnell aufspringen, wie Popcorn im Topf aufpoppt und wir die aufpoppenden Körner nicht unter Kontrolle bekommen.

Zeit, Pirsig zu Wort kommen zu lassen:

Er hatte oft Schwierigkeiten mit Studenten, die nichts zu sagen wußten. Anfangs dachte er, es sei nur Faulheit, aber dann zeigte sich, daß es etwas anderes war. Es fiel Ihnen einfach nichts ein, was sie hätten hinschreiben können. (...) Eine Studentin, ein Mädchen mit dicken Brillengläsern, wollte einen Aufsatz von fünfhundert Worten über die Vereinigten Staaten schreiben. Wie immer bei solchen Ankündigungen hatte er ein flaues Gefühl und schlug ihr ohne Spott vor, sich auf Bozeman zu beschränken. 

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 194

Könntet ihr 500 Wörter über Deutschland schreiben? Wo würdet ihr anfangen? Wo kristallisiert sich Euer Bild in einem textlichen Anfang? Wo beginnen? Bei unseren individuellen Erfahrungen mit diesem Land? Geographisch? Politisch? Sozial? Wäre es für mich mit mit dem verengten Thema Wuppertal besser? Ich könnte über die merkwürdige Natur der Wuppertaler schreiben, unaufdringliche Alltagsgegenstände aufdringlich zu machen, wie zum Beispiel Telefonschaltkästen mit kitschiger naiver Bemalung, oder über Klischees, wie die Schwebebahn, Marx oder Engels, die Gründerzeit, den Zoo, aber unschwer zu merken, dass sich mein Blick schon verengt hat. Schreibe etwas Allgemeines über Wuppertal. Nein.

Im Buch geht es weiter. Etwas später im Kapitel kam die Studentin gescheitert zurück:

Als der Ablieferungstag gekommen war, hatte sie den Aufsatz nicht und war todunglücklich darüber. Sie hatte es immer wieder versucht, aber es war ihr nichts eingefallen. (...) Sie machte ihm nichts vor, sie wußte wirklich nicht, was sie schreiben sollte, und fand es schrecklich, daß sie nicht in der Lage war zu tun, was man von ihr erwartete.

Er war ratlos. Jetzt wußte er nicht, was er sagen sollte. Eine Pause trat ein, und dann kam eine bemerkenswerte Antwort: »Grenzen Sie es auf die Hauptstraße von Bozeman ein.« Es war eine plötzliche Einsicht.

Sie nickte pflichteifrig und ging hinaus. 

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 194

Eine Eingrenzung. Den Blick verengen und nicht so breit fassen. Thomas! Schreibe 500 Wörter über die Schwebebahn. Die Schwebebahn ist groß, sie ist lang, mehr als 13 Kilometer schlängelt sie sich durch das Tal, sie wurde Beginn des 20. Jahrhunderts von Eugen Langen erfunden, der Kaiser ist mit der Schwebebahn gefahren, ein Elefant angeblich herausgesprungen, wie viele Nieten halten das Gerüst zusammen? Gibt es noch Originalteile, warum wurde sie kein Denkmal? Warum fährt sie nicht schneller als 50 km/h? Wie viele Wagen gibt es, wie viele Stationen und warum? Wo würde ich anfangen? Damit, wie bedauerlich es ist, dass man die meisten Originalstationen, die Baudenkmäler mit einem Schnipp auf den Müll geworfen und so Wuppertal eines Teils seines Körpers, eines echten originalen Organs beraubt hat? Oh je, ich sehe den Wald vor lauter Bäumen nicht, heißt jetzt wohl die passende Redewendung, oder? 

Mal schauen, wie es im Buch mit der Studentin weiter geht? 

Aber kurz vor der nächsten Stunde kam sie wieder, völlig niedergeschlagen und in Tränen aufgelöst und es war ihr anzusehen, daß der Kummer sie schon lange plagte. (...)

Er war wütend. ›Sie machen eben die Augen nicht auf!‹ sagte er. Er dachte daran, wie er selbst von der Universität geflogen war, weil er zuviel zu sagen gehabt hatte. Für jede Tatsache gibt es eine unendliche Anzahl von Hypothesen. Je genauer man hinsieht, um so mehr sieht man. Diese Studentin sah wirklich nicht hin, aber aus irgendeinem Grund begriff sie das nicht. Ärgerlich sagre er ihr: ›Grenzen Sie es auf die Fassade eines einzigen Gebäudes auf der Hauptstraße von Bozeman ein. Meinetwegen des Opernhauses. Fangen Sie mit dem ersten Ziegelstein oben links an.‹ 

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 195

Genau hinsehen. Eine Kunst! Der eine Niet im Gerüst der Schwebebahn. Der nicht mehr vor Ort geschlagen wurde. Denn das neue Gerüst wurde nicht mehr vor Ort genietet, es kam fix und fertig wie ein Fischertechnik-Baukasten und wurde nur noch zusammengeschraubt. Sonst könnte ich Euch vielleicht etwas über die beiden Arbeiter erzählen, die das Nieten, den Wurf vom Nietofen zum Nieter, das Fangen mit der Nietenkelle liebten, den hämmernden Schlag, wenn sich der Nietkopf langsam rundete und beim Erkalten die beiden Stahlteile unerbittlich zusammenzog, bis alles Spiel aus der Verbindung kam und so dieser unerschütterlich flexible Eisenwurm entstand, an dem hängend wir durch Wuppertal schweben.

Schau Dir den Ziegelstein genau an! Wirf einen Blick auf ihn! Wo ist er denn? Wie sieht er aus? Rötlich oder mehr ocker? Hart oder weich gebrannt? Im Ring- oder Langofen entstanden? Vielleicht sogar ein Feldbrandstein? Welches Format hat er? Die Niederländer kennen mehr Ziegelformate als die Deutschen. Was sagt das über die Baukultur, die Menge der Buchstaben des architektonischen Alphabetes? Ist es ein simpler Stein, oder ein Formstein?  Wie steht er in Beziehung zu seinen Nachbarsteinen? Sieht man die Seite oder die Front? Über Ziegelsteine könnte ich viel schreiben und der Grund für diesen Blogbeitrag ist, dass mir gerade wegen des Ziegelsteines diese Buchstelle seit 1987 im Gedächtnis geblieben ist, da sie mir immer wieder geholfen hat in der salzigen Lösung meines Wissens, meines Gesehenen ein Salzkorn als Kristallisationspunkt zu finden. Ein einzelnes Korn an dem die gesamte Lösung zu einem wunderschönen Kristallgebirge kristallisiert, dem fertigen Text, der einen breiten Blick wirft, aber mit einem speziellen Fokus beginnt. Unser Objekt der Begierde, das worauf wie schauen hat Verbindungen, in einer salzigen gesättigten Lösung sind es chemische und atomare, im Text sind es die betrachteten Objekte, Ereignisse, Figuren und Geschehnisse; und beim Schreiben können wir von diesen Anziehungskräften profitieren, uns von ihnen leiten lassen.

Und so ist es dann auch:

Mit einem verwirrten Ausdruck im Gesicht kam sie in die nächste Stunde und überreichte ihm einen fünftausend Worte langen Aufsatz über die Fassade des Opernhauses auf der Hauptstraße von Bozeman, Montana. ›Ich saß in der Imbisstube gegenüber«, berichtete sie, »und fing an, etwas über den ersten Ziegelstein zu schreiben, dann etwas über den zweiten, und beim dritten lief es dann auf einmal ganz von selbst und ich konnte nicht mehr aufhören. Die anderen dachten, ich wäre verrückt geworden, und zogen mich andauernd auf, aber der Aufsatz ist fertig. Ich versteh' das nicht.‹

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 195f

Das schönste Erlebnis beim Schreiben: Einen Lauf haben. Die inhaltlichen Verbindungen, die geistigen, physischen, qualitativen, emotionalen packen uns und treiben uns in eine faszinierende Eigendynamik, der wir vollständig erliegen. Über Georges Simenon, den Erfinder des eigenwilligen Kommissars Maigret wird geschrieben, dass er sich über Wochen auf ein neues Buch vorbereitet hat; im Grund hat er eine kräftige Salzlösung zusammengeschüttet und immer weiter und weiter gesättigt, bis sich am ersten Satz wie zum Beispiel »Das Ereignis selbst überraschte Kommissar Maigret kaum« aus dem Roman La maison de l’inquiétude die ganze Geschichte im Kopf des Autors kristallisierte. Dabei besteht wahrscheinlich ein heftiger Unterschied im Schreiben über das Gesehene und Erlebte und im phantasievollen Erfinden von Geschichten, die außerhalb unseres Blickes und unserer Erfahrung liegen? Vielleicht - so mag es sein - ist es für die Eine oder den Anderen eben einfacher über etwas zu schreiben, was man im Blick hatte, fokussiert hatte und von dort aus zum Allgemeinen zu kommen. 

Die Art, wie man in der Architektur mit Ziegelsteinen umgeht die nennt man so, wie in der Literatur den Umgang mit Buchstaben und Wörtern: Stil. Und so entsteht er.

Rückblickend schreibt Pirsig über das Ereignis:

Sie kam sonderbarerweise gar nicht auf den Gedanken, daß sie sich beim Schreiben selbst umschauen, mit eigenen Augen sehen konnte, ohne sich darum zu kümmern, was andere vor ihr gesagt hatten. Die Eingrenzung auf den einen Ziegelstein beseitigte die Blockade, weil da endlich offenkundig wurde, daß sie nur etwas schreiben konnte, was sie mit eigenen Augen gesehen hatte.  

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 194

Ich bin kein Freund davon, Regeln wie bestickte Bilderrahmen zu empfehlen. Trotzdem wollte ich mir die Gelegenheit nicht entgehen lassen, auf diesen kleinen Ausschnitt aus »Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten« hinzuweisen. 

Vor oder beim Schreiben sich selbst umzuschauen, einen eigenen Blick auf die Welt zu erlangen, mit eigenen Augen sehen. Und sehen ist mehr als nur einen Blick erhaschen, sehen ist auch Verstehen und Erkennen und schlussendlich auch Begreifen und vielleicht mag man dann die eigenen Worte für diese Welt finden, wie so viele andere bereits vor uns, in sinnlicher, sachlicher, poetischer oder irgendeiner anderen textlichen Form, die von unserem eigenen Verständnis der Welt erzählt.

Zum Schluss möchte ich noch einmal Robert M. Pirsig zu Wort kommen lassen:  

Aufgrund seiner Experimente kam er zu dem Schluß, daß das Nachahmen eine wirklich schädliche Angewohnheit sei, die man beseitigen mußte, bevor der eigentliche Rhetorikunterricht beginnen konnte.

Er dachte sich, daß er den Klassen, indem er sie mit seinen eigenen Sätzen im Augenblick der Formulierung samt allen Zweifeln und Stockungen und Widersprüchen konfrontierte, ein wahrheitsgetreueres Bild davon vermittelte, worum es beim Schreiben eigentlich ging, als wenn er die ganze Zeit nur an den fertigen Arbeiten der Studenten herummäkelt oder ihnen das fertige Werk eines großen Meisters als leuchtendes Vorbild hingestellt hätte.

Quelle : Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte, Seite 194

Nachahmen ist bis heute wahrscheinlich das größte Glück und Unglück, dass es an Schulen und Universitäten gibt. Der Zwang dazu ist schädlich, sich freiwillig dem Nachahmen zu widmen, wie Dali in seiner Jugendphase mit den großen Meistern, kann für Stil und Technik eindeutig hilfreich sein, nicht nur in der Malerei, auch beim Schreiben.

Dann kommt es darauf an, die Ziegelsteine selbst zu einem Bild der Realität zusammenzusetzen, zu einem Gebäude aus lauter fein betrachteten Einzelteilen, die auch entgegen aller Einwände Pirsigs gegen die klassische Rhetorik ein perfektes Ganzes ergeben. Oder wie es Rudolf Wittkower dem italienischen Renaissance-Architekten Leon Battista Alberti zuschrieb: 

Ohne solch ein organisch-geometrisches Gleichgewicht, in dem alle Teile, wie die Glieder eines Leibes, harmonisch aufeinander bezogen sind, kann der göttliche Gedanke sich nicht enthüllen.

Quelle : Wittkower, Rudolf. Grundlagen der Architektur im Zeitalter des Humanismus, Seite 15

Ich wünsche frohes Schreiben. Schaut hin. Schreibt es auf. Sagt, was ist.

tl, dr;

Schreiben, das bedeutet eigentlich genaues Hinsehen. Und wie in dieser kleinen Geschichte von Robert M. Pirsig: Auch so weit verengen, bis man es mit Worten schreiben kann.

Quellen

  • Pirsig, Robert M.: Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten: ein Versuch über Werte. Übersetzt von Rudolf Hermstein. Fischer-Taschenbücher. Frankfurt am Main: FISCHER Taschenbuch, 1986.
  • Christopher Lehmann-Haupt: Books of The Times. The motorcycles of your mind. In: The New York Times. 16. April 1974,  https://www.nytimes.com/ (15.10.2022)
  • Zen und die Kunst ein Motorrad zu warten, Wikipedia (15.10.2022)
    https://de.wikipedia.org/
  • Pirsig, Robert M., Wikipedia
    https://en.wikipedia.org/wiki/Robert_M._Pirsig
  • Bröckers, Mathias: Motorradwartung, Seelenfrieden und und und : taz. die tageszeitung vom 11.5.1993
    https://taz.de/ (15.10.2022)
  • Wittkower, Rudolf. Grundlagen der Architektur im Zeitalter des Humanismus. 2. Aufl., 7.-12. Tsd. dtv 4412. München: Dt. Taschenbuch Verl, 1990.

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