Das Jahr 2022 im Rückblick

Was war das Beste?

Es geht nicht um das Neue, es geht um das Beste. Was war das Beste im vergangenen Jahr 2022? Woran erinnere ich mich gerne und was kann im Gedächtnis dauerhaft gegen den Strom der Zeit bestehen?

›Was gibt es Neues?‹ ist eine ewig interessante, ins Breite gehende Frage, die aber, geht man allein ihr nach, nur zu einer endlosen Kette von Trivialitäten und Modeerscheinungen führt, dem Schlick von morgen. Ich möchte mich stattdessen mit der Frage ›Was ist das Beste?‹ befassen, einer Frage, die in die Tiefe geht, statt in die Breite und deren Antworten den Schlick flußabwärts schwemmen können.

Quelle: Pirsig, Robert M. _Zen und die Kunst, ein Motorrad zu warten, S. 14

Ich möchte diesen ausführlichen Jahresrückblick ganz unaufgeregt beginnen: auch das Jahr 2022 hatte wieder 365 Tage. 52 Wochen. Jeder Tag hatte 24 Stunden. Jede Stunde 60 Minuten. Jede Minute, Ihr ahnt es. Numerisch betrachtet: Das Jahr hatte ungefähr 31.536.000 Sekunden. Beim etwas überdurchschnittlichen Menschen schlägt das Herz ungefähr jede Sekunde. Poch, poch, poch ... Ich bin sicher, mein Herz hat 2022 in vielen Situationen häufiger geschlagen; es gab aber auch Momente, in denen ich so entspannt war, dass mein Herz so zur Ruhe kam, das es tatsächlich jede Sekunde schlug. Über 30 Millionen Mal. Unfassbar. Manche Dinge im letzten Jahr wurden in wenigen Herzschlägen entschieden. Über andere habe ich 100.000 Herzschläge lang nachgedacht. Viele Entscheidungen wurden mir abgenommen, mein Körper hat sie für mich entschieden. Für diese biologische Intelligenz meines Körpers bin ich sehr dankbar. Sie hat mir geholfen, wegen ihr wiege ich jetzt gute 12 bis 15 kg weniger als noch im Januar des vergangenen Jahres 2022. 

Das Jahr 2022 im Rückblick - Neue Hose und wieder passender Pullover. Meine Freundin A. fotografierte mich im Dezember 2022 auf dem Campus der Universität Düsseldorf.
Neue Hose und wieder passender Pullover. Meine Freundin A. fotografierte mich im Dezember 2022 auf dem Campus der Universität Düsseldorf.
Vieles war gut

Was war das Beste?

Das Jahr, in dem ich so viele gute Dinge begonnen habe, eine neue Arbeit, Aufmerksamkeit gegenüber meiner Gesundheit, das Arbeiten mit einem Zettelkasten wie Obsidian, dem das obige Zitat zu verdanken ist. Zu Obsidian hat mich mein Sohn L. gebracht, dem ich in diesem Jahr noch so viel mehr zu verdanken hatte. Danke, L.

2022 war aber auch das Jahr des Abschieds. Über manche Dinge kann ich hier gut schreiben, es ist ja manchmal sehr kathartisch, wenn man solche Dinge aufschreibt. Über den Schlick möchte ich nicht so viel schreiben, diese Dinge treiben bereits langsam durch die Zeit aus meinem Blickfeld den Fluss hinunter und sind bereits hinter der nächsten Flussbiegung verschwunden. Erinnerungen, einfach weggespült von dem Wasser des Lebens, das mit jedem Herzschlag weiterfließt.

Das Beste zuerst. Da hadere ich mit mir. War es meine Diabetes oder mein neuer Job. Der neue Job kam zuerst, nun, fast gleichzeitig.

Mein neues Projekt für drei Jahre
Mein neues Projekt für drei Jahre
Das Competence Center

Wissenschaftlicher Mitarbeiter

Competence Center 5G.NRW

Das Competence Center 5G.NRW (kurz: CC5G.NRW) trägt dazu bei, Nordrhein-Westfalen zum Leitmarkt für 5G zu entwickeln: Es reduziert technische Eintrittshürden für Unternehmen, entwickelt die wirtschaftlichen Potenziale für die vertikalen Märkte und beschleunigt die Innovationsdiffusion.

Competence Center 5G.NRW

Eine alte Gefährtin, Kollegin und Freundin frug mich im Februar ob ich nicht Lust hätte im Competence Center 5G.NRW als wissenschaftlicher Mitarbeiter zu arbeiten. Ich habe nicht lange gezögert, nicht mal 3600 Herzschläge lang und habe mich etwas Mitte Februar beworben und bekam die Stelle tatsächlich. Seit dem 1. Mai arbeite ich jetzt Teilzeit als Angestellter bei der Universität Wuppertal. Ein starker Eingriff in mein Berufsleben, die Zeit für meine Agentur halbiert sich so. Ich habe tolle Kolleginnen und Kollegen und auch im Rückblick bin ich sehr glücklich mit dieser Entscheidung, die mir so viel Austausch, soziale Interaktion und neue freundliche Menschen in mein Leben zurückgebracht hat. 

Im Petrus Krankenhaus gibt es nicht mal mehr eine spezielle Diät-Ernährung. Aus Kostengründen gestrichen. Das Essen war das Schlechteste, was ich je in einem Krankenhaus bekommen habe.
Im Petrus Krankenhaus gibt es nicht mal mehr eine spezielle Diät-Ernährung. Aus Kostengründen gestrichen. Das Essen war das Schlechteste, was ich je in einem Krankenhaus bekommen habe.
Hört auf die Signale

Diabetes II

Typ-2-Diabetes

Der Diabetes mellitus, umgangssprachlich kurz Diabetes, deutsch Zuckerkrankheit oder seltener Blutzuckerkrankheit, bezeichnet eine Gruppe von Stoffwechselstörungen der Kohlenhydrate, die unter anderem eine gestörte Glukosehomöostase beinhalten. Sie beruhen auf einem (absoluten oder relativen) Mangel an Insulin und führen bei ausbleibender oder unzureichender Behandlung zu einer chronischen Überzuckerung (Hyperglykämie). 

Wikipedia

Im Frühjahr ging es mir nicht gut. Ich wusste nicht warum. Ich trank Unmengen an Wasser, schlief schlecht bis überhaupt nicht. Mein Freund U. schickte mich noch an einem Samstag in die Notaufnahme. Zu Recht. Sehr hohe Blutzuckerwerte, sehr schlechte Leberwerte. Diagnose Leberentzündung und Diabetes Typ 2. Der Aufenthalt im Petrus-Krankenhaus war schrecklich, aus vielen Gründen, aber es ist es nicht wert hier aufgeschrieben zu werden. Die Gurke illustriert es perfekt. Ich bin dankbar, dass mir mein Körper diesen Fingerzeig gegeben hat. Vielleicht in letzter Minute, das sind umgerechnet 60 Sekunden. (Was etwas über die Redewendung aussagt.) Ich habe strenge Diät gehalten und in 6 Monaten 15 kg abgenommen. Hosen von 2002 passten wieder, ich fühle mich bis heute wesentlich gesünder und agiler, insgesamt. Ich bin in regelmässiger medizinischer Betreuung und es geht mir gut. Und vielleicht schaffe ich es ja 2023 wieder so viel zu wiegen wie 1998, nämlich 85 kg.

In weichen Linien zeichnet sich vor dem Horizont eine beruhigende Landschaft ab. Das viele lebendige Grün täuscht darüber hinweg, dass hier, rund um den 18. Juni 1815 über 47.000 Soldaten in drei Armeen zu Tode kamen.
In weichen Linien zeichnet sich vor dem Horizont eine beruhigende Landschaft ab. Das viele lebendige Grün täuscht darüber hinweg, dass hier, rund um den 18. Juni 1815 über 47.000 Soldaten in drei Armeen zu Tode kamen.
Die gedehnte Zeit

Vier Tage in der Wallonie

Die Wallonie

Die Wallonische Region (französisch Région wallonne, niederländisch Waals Gewest), auch Wallonie und Wallonien (französisch Wallonie, niederländisch  Wallonië?/i, wallonisch Walonreye [wal????j?]), ist eine der drei Regionen des Königreichs Belgien und somit ein Gliedstaat des belgischen Bundesstaates. Die Bevölkerung ist überwiegend muttersprachlich Französisch, im äußersten Osten Deutsch. Die Hauptstadt ist Namur, die nach Einwohnern größte Stadt ist nach Kommunalreformen in der Nachkriegszeit Charleroi.

Wallonie

Zeit mit den Kindern zu verbringen war und ist für mich immer das allergrößte Geschenk. Um so mehr hat es mich gefreut mit meinem Sohn zu Beginn 2022, genau gesagt im Mai, über 300.000 Herzschläge lang eine Reise in die Wallonie zu unternehmen. Was als Vollendung unserer Radtour von Den Helder nach Paris gedacht war, die wir vor einigen Jahren hatten abbrechen müssen, entpuppte sich als Reise von irgendwie unendlicher Länge, weil wir ohne Plan unterwegs waren, uns haben von Ort zu Ort treiben lassen und neugierig auf alles waren. Die Wallonie ist von erlesener Schönheit, ihr herber Charme lässt sich aber ohne Weiteres nicht entdecken. Brüssel ist eine multikulturelle Stadt deren Sprödheit und Vielfältigkeit wir sehr zu schätzen wussten. Es waren tolle Sekunden, Minuten und Stunden; und wie man am Löwenhügel von Waterloo sehen kann: manchmal lohnt es sich von Dingen Abstand zu nehmen, damit man sie richtig sehen kann.

Wer noch einmal nachlesen möchte, hier geht es zu Teil I –  Durch die Wallonie I - Brüssel: Das unentdeckte schöne Land

Zwischen Nancy und Thaon-les-Vosges
Zwischen Nancy und Thaon-les-Vosges
Stille Örtchen an Mosel und Saône

Mit dem Rad von Koblenz nach Dijon

La Voie Bleue

Der Voie Bleue, der Moselle-Saône Radweg, ist ein Radwanderweg, der an der luxemburgischen Grenze beginnt und bis nach Lyon führt. Zu verdanken haben wir diesen wunderschönen Radwanderweg unter anderem dem deutsch-französischen Krieg von 1870 bis 1871. Nur wegen ihm wurde der Canal des Vosges (früher Canal de l'Est) gebaut.

La Voie Bleue

Mehr als 1,1 Millionen Herzschläge hat unsere Radtour im Herbst 2022 gedauert. Wir sind von Koblenz entlang der Mosel und dem Voie Bleue nach Dijon gefahren. Es ist nicht so, dass wir nicht schon vorher in unserem Leben lange Radtouren gemacht hätte, so zum Beispiel Triberg-Ulm, Flensburg-Kopenhagen, Den Helder-Brüssel oder unsere schöne Tour vom letzten Jahr rund um den Teutoburger Wald; diese Reise jedoch übertraf an Vielfältigkeit, Ruhe, Schönheit und Intensität alles Vorherige. Es war einfach eine wunderbare Reise mit meiner Frau, voller Gelassenheit und Frieden.

Zum Reisebericht: Von Koblenz nach Dijon: Vom Rhein zum Senf — stille Örtchen an Mosel und Saône

Die Visualisierung innerhalb von Obsidian. Noch sind viele Nodes grau, weil noch nicht weiter geforscht. Es lassen sich aber schon deutlich Schwerpunkte erkennen.
Die Visualisierung innerhalb von Obsidian. Noch sind viele Nodes grau, weil noch nicht weiter geforscht. Es lassen sich aber schon deutlich Schwerpunkte erkennen.
Selbstorganisation mit Obsidian

Mein zweites, gläsernes Gedächtnis

Die Software Obsidian

Obsidian ist eine Wissensdatenbank- und Notizsoftware, die mit Markdown-Dateien arbeitet. Sie ermöglicht es Benutzern, interne Links für Notizen zu erstellen und die Verbindungen dann als Diagramm zu visualisieren. Sie wurde entwickelt, um Benutzern zu helfen, ihre Gedanken und ihr Wissen auf flexible, nicht-lineare Weise zu organisieren und zu strukturieren. 

Obsidian.md

Der Zettelkasten kommt vor der Website, weil er die bedeutendste Errungenschaft des letzten Jahres für mich ist. Die Arbeit am Sachstandsbericht über Sullivans These Form follows Function machte die Einführung eines Zettelkastens dringend notwendig, da ich bei diesem Thema bis zu den - zunächst - europäischen Wurzeln der Architekturtheorie zurückgehen möchte und sie vor allem richtig verstehen. Das geht alles nicht mehr ohne gute Informationsorganisation, worauf mich zunächst mein Sohn L. aufmerksam machte. Mit Obsidian glaube ich das richtige Tool dafür gefunden zu haben. Hier kann ich alle Fundstellen, Literatur, Zitate und Gedanken ablegen. Es ist einfach großartig zu sehen, was ich zum Beispiel schon über den Begriff Schönheit alles herausgefunden habe. 

Screenshot von der neuen Sachberichtsseite mit den neuen von mir entworfenen Initialen
Screenshot von der neuen Sachberichtsseite mit den neuen von mir entworfenen Initialen
Sachstandsberichte und die neue Subdomain

Die Website

Ernst Bloch

Ernst Simon Bloch (1885-1977) war ein deutscher Philosoph. Bloch stellte sich in die Tradition der Schriften von Karl Marx und wird heute dem Neomarxismus zugeordnet. Er schrieb: Die wirkliche Genesis ist nicht am Anfang, sondern am Ende, und sie beginnt erst anzufangen, wenn Gesellschaft und Dasein radikal werden, das heißt sich an der Wurzel fassen. 

Wikipedia

Im letzten Jahr ist rund um die Website viel passiert. Der Blog ist umgezogen. Er hat jetzt eine eigene Subdomain und ist unter blog.cronhill.de zu erreichen. Ich bin mir rückwirkend noch nicht ganz sicher, ob es eine gute Idee war, aber es ist wirklich ein Thema, zu dem man sehr sehr viele verschiedene Meinungen haben kann. Ich finde es gut, dass sich, bis auf das Thema Reisen, die Schreiberei und das Nachdenken an einem Ort bündeln und verdichteb, so wie in meinen Sachstandsberichten, von denen bis jetzt einer erschienen ist. Die Sachstandsberichte sind eine Form, die es mir erlaubt jenseits der chronologischen Stapelei des Bloggens längerfristig über Fragen nachzudenken und zu schreiben. Die Rubrik Fotografie wurde zur Rubrik Reisen, und es gibt trotzdem noch die Seite Fotografie, die sich ganz auf das Visuelle konzentriert, jetzt mit neuen, noch nicht zuvor gezeigten Bildern.

Ernst Bloch

Unsere Erkenntnis ist also nur ein Ausschnitt, auch in dem, was wir nicht sehen, ist nur ein Abglanz; und von dem was wir nicht sehen, gibt das sinnliche Wahrnehmen allein keine Kunde. Man braucht also einen Bericht, und dieser Bericht ist gedanklich; und man braucht also ein Denken dazu, um das in der Sinnlichkeit Gehörte, Gesehene, Getastete, Geschmeckte, Gehörene zu verhören als einen Zeugen, was es denn zu sagen hat über das, von dem es geschickt ist und von dem es zu uns spricht, eindringend durch die Tore unserer Sinne.

Quelle: Bloch, Ernst : Vorlesungen zur Philosophie der Renaissance; Suhrkamp Verlag, Frankfurt a. Main, 1972. Seite 29

23 Blog-Beiträge und ein Sachstandsbericht sind im letzten Jahr erschienen. In drei Sprachen. Das sind dann schon 72. Es dauert ein paar Herzschläge, sie zu lesen und es gibt Menschen da draußen, die das getan haben. Sie haben gelesen, was ich schreibe, und sie haben darauf reagiert. Mit Kommentaren und persönlicher Schwerkraft-Post aus Frankreich, weil ich mal etwas über merkwürdige Minen von Faber-Castell geschrieben habe. Schreiben tue ich für mich; trotzdem freue ich mich für jede Form der Anerkennung, des Dankes oder des Nutzens, den meine Schreiberei für den einen oder anderen haben könnte. Die Cronhill.de Website ist zu einem wichtigen Teil meines Lebens geworden, sie macht viel Arbeit und ebenso viel Freude.
  
Liebe Leserinnen und Leser, liebe Freunde, ich danke Euch.

Meine Freundin A. hat ganz ausgezeichnete, wunderschöne Bilder von mir und meiner neuen Revival-Hose gemacht
Meine Freundin A. hat ganz ausgezeichnete, wunderschöne Bilder von mir und meiner neuen Revival-Hose gemacht
Eigentlich ist es Bügeln

Nähen

Nähen ist eigentlich Bügeln. Und wer zwanghaft ist, der kann am Bügeln sehr viel Spaß haben. Und hat dann auch am Nähen ebenso viel. Genäht habe ich schon früher, ich hatte aber die letzten 20 Jahre keine Zeit. Jetzt, im Jahr 2022 habe ich wieder damit angefangen und es ist eine große Freude für mich. Meine Freundin J. hat mich dazu inspiriert, meine Freundin A. hat mich fotografiert. Bilder und Beitrag folgen.

Ein paar der gebauten Teile für das neue Bücherregal. Zum ersten Mal habe ich selbst furniert. Es ist perfekt geworden.
Ein paar der gebauten Teile für das neue Bücherregal. Zum ersten Mal habe ich selbst furniert. Es ist perfekt geworden.
À la Montana

Das neue Bücherregal

In der Werkstatt gab es in diesem Jahr drei große Projekte. Ein neues Regal für das Wohnzimmer, bunt, grell und vielfältig. Für meinen Sohn L. entstand ein Werkzeugkoffer aus Holz, der alles enthält, was man er so braucht, als Gründer einer eigenen Existenz. Für meinen 3D-Drucker baute ich eine Vitrine mit einem Boden aus Beton, stabil, sicher gegen Vibrationen. 

Beiträge folgen

Der Stechlinsee (Landkreise Oberhavel und Ostprignitz Ruppin, Brandenburg),
Der Stechlinsee (Landkreise Oberhavel und Ostprignitz Ruppin, Brandenburg),
Dankbarkeit

Jemand vorlesen

Wanderungen durch die Mark Brandenburg

Das fünfbändige Werk Wanderungen durch die Mark Brandenburg ist das umfangreichste des deutschen Schriftstellers Theodor Fontane (1819 – 1898). Er beschreibt darin Schlösser, Klöster, Orte und Landschaften der Mark Brandenburg, ihre Bewohner und ihre Geschichte. Zwischen 1862 und 1889 erschienen, ist das Werk Ausdruck eines gewachsenen preußischen Nationalbewusstseins und der Romantik.

Wikipedia

Eine der vielleicht schönsten Dinge des letzten Jahres die ich angefangen habe und in diesem Jahr fortsetze: Ich lese meiner Mutter vor. Leider kann sie dank einer Erkrankung auf beiden Augen fast nichts mehr sehen, lesen ist ihr nicht mehr möglich. Ich versuche mir einmal in der Woche Zeit für sie zu nehmen und lese ihr aus Theodor Fontanes Reise durch den Spreewald vor; es ist ein doppelter Gewinn, da Fontane mit diesen Büchern – für mich persönlich – auf dem Höhepunkt seiner Reiseschreiberei war. Aber auch außerhalb dieser gewinnenden Tätigkeit habe ich viel gelesen, jetzt lese ich aber anders. Ich versuche die reichen Gedanken der Autoren*innen, die ich lese besser zu verstehen, sie in einen Zusammenhang zu setzten. Das macht das Lesen langwieriger, gleichzeitig ist der Reichtum, der sich aus der gedanklichen und schreibenden Auseinandersetzung mit den Ideen und Positionen ergibt um so größer. Im letzten Jahr bin ich meiner Laune gefolgt und habe genug Bücher angeschafft, dass es für einige Zeit, mindestens 2023 reichen dürfte.

Meine neue Seite Fotografie
Meine neue Seite Fotografie
Sehen was ist

Die neue Seite Fotografie

Nach Lassalle: Sehen, was ist

Ferdinand Lassalle (1825 – 1864) war Schriftsteller und sozialistischer Politiker. Er schreib 1862: ›Alle große politische Aktion besteht in dem Aussprechen dessen, was ist, und beginnt damit. ‹ - Was nun? Zweiter Vortrag über Verfassungswesen. 17. November 1862, Berlin. In: Gesammelte Reden und Schriften, Zweiter Band, Paul Cassirer, Berlin 1919, S. 109

Wikiquote

Ich fotografiere seit ca 1984. Ich kaufte mir eine Nikon FE und ein 1.8/50 mm Objektiv. Das hat so lange gereicht für alles. Die Nikon FE ging 2003 unter einer Bank an der Küste der Normandie verloren. Dann kam die Digitalisierung, eine F90x, dann meine zwei Sigmas, schließlich die Lomo BEL AIR, eine analoge Balgenkamera mit drei Bildformaten. Jetzt meine schöne wunderbare Nikon D800E die so unglaublich scharfe, gut belichtete Bilder macht. Es gibt viel zu zeigen und mit der neuen "alten" Seite Fotografie kommt es jetzt endlich dazu. Zur Zeit gibt es die Kategorien Architektur, Urban, Landschaften und Analog. Portrait und Gärten folgen.

Hier geht es zur neuen Seite Fotografie

Hinter der Flussbiegung

Der Schlick

Schlick. Vielleicht sehr körniger Schlick. Im Jahr 2022 gab es auch Dinge, die nicht so rund gelaufen sind. Es gab Zeiten, zu denen überhaupt nichts passiert ist. Es gingen auch Prozesse zu Ende, ob wegen der Corona-Pandemie oder aus anderen Gründen.

Modellbahn

Seit 1998 arbeitete ich, nach einer früheren Phase von 1984 bis 1991, wieder mit Freunden an einer gemeinschaftlich gebauten Modellbahn. 1998 wurde ich gefragt, ob ich nicht noch einmal Lust dazu hätte. Nebeneffekt war, dass ich jeden Dienstag nach dem Basteln mit einem Freund ins Kino ging. In ganz NRW. Das ist dieses Jahr leider zu Ende gegangen. Uns wurden die Räumlichkeiten gekündigt und unsere Mitkonditionen haben wir leider an anderen Orten nicht mehr finden können. So wanderten Anfang des Jahres 2022 24 Jahre Modelleisenbahnbau in den Container. Das tat weh, aus vielen Gründen.

Kino

Ich bin Cineast. Zwischen 1998 und 2018 habe ich im Schnitt pro Jahr zwischen 40 und 70 Filme im Kino geschaut. Diese Zeit kam nie wieder und die wenigen Filme, die ich 2022 geschaut habe, kann ich an einer Hand abzählen. Erinnern kann ich mich gut an Mrs. Harris und ein Kleid von Dior, ein intensiver, humor- und liebevoller Film. Ein Pflasterfilm, den ich eigentlich mit einer Freundin schauen wollte.

Die Vanille unseres Lebens

Der amerikanische Soziologe Richard Sennett sagte schon früh voraus, dass langfristige soziale Bindungen durch flüchtige Bindungen ersetzt werden würden. Solche, wie man sie von Facebook, Twitter oder anderswo kennt. Man ist nicht mehr Teil des Lebens dieser Menschen, sondern nur noch Empfänger ihrer kleinen Antenne, die sie als Repräsentant ihres Lebens in ein soziales Netzwerk oder Whatsapp hinein strecken. Es ist die pure Oberfläche, eine leider nur sehr schwache atomare Bindung. Eine meiner langfristigen Beziehungen / Freundschaften ist aus diesen Gründen – so wie ich es von meiner Warte heraus betrachte – zu Ende gegangen. Alle meine Versuche, physische Treffen zu arrangieren, gemeinsame, physische Zeit zu verbringen, scheiterten. Tatsächlich sogar mit der Begründung, dass diese Flüchtigkeit, diese schwache Bindung ja doch ganz praktisch wäre. Heute ist mir klar: Schwache Bindungen, die bedeuten auch, dass man nur wenig Kraft und wenig Energie in sie investieren muss. Wird die Bindung zerstört, ist es kein großer Verlust. Und schwache Bindung bedeutet auch, ich muss wenig Verantwortung übernehmen und mir nur wenig Zeit nehmen. Zeit, die wohl mit zunehmenden Alter teuerste Währung, sozusagen die echte Vanille unseres Lebens. Ich bleibe meinen einfachen Devisen (ein schöner mehrdeutiger Begriff) treu, zur Zeit gilt folgende: Zeit hat man nicht, Zeit nimmt man sich. Sich Zeit nehmen bedeutet Liebe, bedeutet Wertschätzung. Wertschätzung ist ein schönes Wort. Es enthält so viel. Den Wert, den Schatz und den Prozess, die Schätzung des Wertes. Dies macht auch deutlich, dass dies kein passiver Prozess sein kann. Es bedeutet: Menschen und Dinge, für die ich Zeit nehme, haben eine Bedeutung, die über der für andere Menschen und Dinge steht. Jeder muss seine eigenen Prioritäten setzen, das verstehe ich. In Freundschaften sollte da Parität über die Prioritäten herrschen. Ist die Parität nicht mehr gegeben, geht die Freundschaft zu Ende.

Aber wo eine Tür zu ging, ging woanders eine auf. Insofern ist noch nicht alles verloren. Auf ein Neues!

Für Euch alle alles Gute und ein reiches Jahr 2023.

tl, dr;

Im Rückblick auf das Jahr 2022 zählt nur das Beste. Das Beste kann gegen den Strom der Zeit bestehen und bleibt in meinem Lebensgedächtnis; der Schlick hingegen wird von der Zeit den Fluss hinuntergespült.

Kommentare (2)

  1. Uwe 22. Januar 2023

    Ein lesenswerter Jahresrückblick mit dem treffenden Bezug auf Fluß und Sedimente. Ich mag "Jemandem vorlesen" und "Freunde" und sehe einen Zusammenhang. Die Wertschätzung. Ich mag den neuen Kopf der Seite, wo Cronhill in den Blog übergeht. Ich wünsche Dir ein gutes Jahr 2023, bei dem es Dir noch schwerer fallen soll, "das Beste" zu benennen.

  2. Susanne 31. Januar 2023

    Was für ein reiches Jahr. Du kannst Dich glücklich schätzen, so viele Interessen, so viele Fähigkeiten, so viele verschiedene Blickwinkel zu haben. Es war spannend, all das zu lesen. Interessiert hat mich besonders der Zettelkasten, etwas, was mir als Tageszeitungsjournalistin einerseits fremd ist, was das Schreiben angeht. Das muss und geht dank langer Tourine sozusagen ohne Hilfsmittel. Andererseits bin ich Jägerin und Sammlerin, was Infos und Kontakte angeht, die ich allerdings anders sortiere. Vielleicht eine gute Idee, mal alles anders zusammenzuführen. Du hast mir jedenfalls den Anstoß gegeben, mal darüber nachzudenken.


Schreibe einen Kommentar




Mit dem Absenden des Kommentars stimme ich zu, dass der genannte Name, die genannte E-Mail-Adresse von cronhill.de im Zusammenhang mit dem von mir verfassten Kommentar gespeichert wird. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht oder an Dritte weitergegeben.